Ich sags ja - populäre Schweizer Themen populär umgesetzt, das braucht der Schweizer Film, und nicht irgendwelche grüblerischen Familienkonflikte anno 1. Weltkrieg in Hintertupfigen ...
Mit "Grounding" hat Regisseur Michael Steiner ("Sennentuntschi") erstmals gezeigt, dass er der beste Mann für solche Umsetzungen ist.
Das Grounding der Swissair im Jahre 2001, die vorübergehende Flugunfähigkeit der einstmals stolzen Flotte als eindrückliches Symbol des Niedergangs einer nationalen Institution, aufgerieben im Kreuzfeuer monetär-elitärer Machtstrebungen und Scharmützel von Wirtschaft und Banken, ist natürlich ein dankbares Thema für ein breites Publikum, das seinerzeit durch die Medien zwar ausgiebig informiert wurde, aber wohl in der Regel nur wenig tiefere Einblick ins Thema bekommen haben dürfte. "Nachlassstundung", "Aktienübernahme-Vertrag", "Bundesgarantie" ... auch während des Films dürften viele Zuschauer nur die Hälfte verstehen, entscheidend ist aber - der Film ist spannend und weckt Emotionen! Grosses Kino halt ...
Formal ist das eine Mischung aus realen und gespielten Szenen, aus Dokumentation und Fiktion, mit (nicht zuletzt optisch) gut gecasteten Darstellern, welche die Identifikation mit ihren Vorbildern leicht ermöglichen (allen voran die Schweizer Schauspiel-Allzweckwaffe Hanspeter Müller-Drossaart als Sanierer Corti), rasant erzählt, attraktiv gefilmt und gekonnt zusammengefügt. Selbst die diversen persönlichen Geschichten, welche exemplarisch für unzählige mit der Tragik verbundenen Schicksale stehen, aber auch nicht mehr als ordentliches Soap-Niveau bieten, werden gut integriert und stören nicht weiter (übrigens versüsst durch die attraktive und von mir immer gern gesehene Stefanie Japp als Flugbegleiterin ...)
Inwiefern die ganzen Ereignisse nun korrekt wiedergegeben wurden, ist fraglich, für den Filmgenuss aber nicht entscheidend - es bleiben 2 Stunden beste und gut gemachte Unterhaltung, die dem Schweizer Zuschauer das Gefühl geben, bei einem Ereignis von nationaler Tragweite irgendwie hautnah dabei gewesen zu sein und damit auch gleich etwas für die patriotische Allgemeinbildung getan zu haben ... und für Ausländer gibts eine spannende Begegnung sowohl mit einem Stück Schweizer Kultur- und Wirtschaftsgeschichte als auch mit dem höchsten Level derzeitigen Schweizer (Populär-)Filmschaffens ...