Vom Broadway ins Spielcasino!
Nun heißt es also Abschied nehmen von Charlie Chan – bzw Abschied nehmen von seinem klassischen Darsteller Warner Oland, dessen letzter Einsatz anno 1937 mit „..in Monte Carlo“ gekommen war. Natürlich wusste das damals noch niemand, aber der sechzehnte Einsatz sollte sein letzter. Gebucht für einen weiteren Film, war Oland mit dem Skript jedoch unzufrieden und verließ im Januar 1938 das Set, um eine Urlaubsreise nach Europa zu machen. Dennoch sollte sein Vertrag noch verlängert werden (das ursprüngliche Drehbuch wurde für einen Mr. Moto-Film verwendet) und die nächste Produktion war avisiert, als Oland an einer Lungenentzündung erkrankte und kurz darauf auch erlag (er war Alkoholiker und starker Raucher, obwohl Chan in seiner Rolle meistens als Nichtraucher auftrat).
Dass Oland sein letztes Drehbuch nicht gefiel, könnte daran liegen, dass auch sein vorletztes im Grunde nicht viel mehr als eine abwechslungsreiche Kopie von „Broadway“ war, statt des ominösen Tagebuchs spielen hier Bankbonds den MacGuffin, hinter dem jeder her ist, der Täter kommt wieder sozusagen aus dem Außenfeld und Harold Huber ist auch wieder zurück, diesmal einen geradezu sensationell schrägen französischen Akzent tragend, als Inspector Jules Joubert.
Wieder ist er der freundliche und sehr hilfsbereite Polizist vor Ort, stets eine straffe Uniform tragend und pompös übertreibend auf fast alles um ihn herum reagierend, als gäbe es für Overacting einen Preis (und das ist noch nichts gegen seinen dritten Auftritt zwei Jahre später). Immerhin sprach Huber fließend französisch und das merkt man auch, wenn er seine Kollegen anpfeift, positiv.
Die Chans stolpern auch hier wieder zufällig in den Fall, weil sie unterwegs zu einer Kunstausstellung sind, da Lee Chan dort ausstellen will (beeindruckend, was Sohn Nr. 1 noch so alles kann und macht…). Weil ihr Taxi liegen bleibt, stolpern sie über einen Unfallort mit einer Leiche im Auto und landen aufgrund mangelnder Französischkenntnisse (das Gestammel Keye Lukes dürfte Franzosen in aller Welt entsetzt haben) im Gefängnis. Von Joubert entführt, sind sie als Zeugen gleich mittendrin in der Intrige um die gestohlenen Bonds, mit denen ein Finanzier den Anderen ruinieren könnte. Ein paar amuröse Verwicklungen verschärfen noch die Situation, aber schlussendlich ist das alles nichts, was man nicht noch auflösen kann, wenn man ein überragender Detektiv ist.
Problematisch fand ich das hier portraitierte Phantasiefrankreich mit halbkaputten Autos und ekstatisch vor sich hinlamentierenden Taxifahrern, während Huber in totaler Verkennung seiner überzogen demonstrierten Autorität sich vor den ganzen Frackträgern stetig lächerlich macht, aber angesichts seiner Position die Oberhand behält. Auf diese Art und Weise kann der Film seine amerikanische Studioherkunft niemals verleugnen. (Interessanterweise konnten in Berlin, zwei Filme zuvor, alle Beteiligten von der Polizei offenbar ausgesprochen brauchbares Englisch, während hier nur Joubert bei den Einheimischen kommunikationsfähig ist.)
Auch „Monte Carlo“ ist kein schlechter „Chan“, aber so bewährt von der Formel her, dass Hubers Joubert den ganzen Film klaut – und der Rest solider Standard ist. Doch im kommenden Jahr sollte alles anders werden: ein neuer Chan, ein neuer Sohn, eine neue Serie, die die alte bleiben sollte und wollte… (6/10)