David Cronenberg hat in seinen Filmen bereits Köpfe zerplatzen, Menschen Sex mit ihrem Fernseher haben oder sich in groteske Fliegenwesen verwandeln lassen. Dead Ringers hingegen gehört zu seinen subtileren Werken. Fast gänzlich ohne die typischen Ekeleffekte auskommend entfaltet er mit jeder verstreichenden Filmminute eine gewaltige verstörende Sogkraft. Jeremy Irons spielt die eineiigen Zwillinge Elliot und Beverly, optisch nicht auseinander zu halten, dabei aber charakterlich grundverschieden, die beide als Gynäkologen arbeiten, in einer Wohnung wohnen und auch sonst alles miteinander teilen. Sogar Frauen. Wie es bei Cronenberg häufig der Fall ist, ist auch hier wieder sexuelles Verlangen Katalysator für eine Reihe von Ereignissen, die unweigerlich auf die Katastrophe hinauslaufen, denn Beverly verliebt sich, kann sich jedoch nicht von seinem Bruder und wird bei dem Versuch ein drogenabhängiges Wrack, während sich Elliot bei dem Versuch, seinem Bruder zu helfen, mehr und mehr ebenfalls selbst zerstört.
Jeremy Irons’ Darstellung ist grandios. Sieht sich der Zuschauer anfangs noch mit zwei nicht auseinanderzuhaltenden Menschen konfrontiert, lernt er im Laufe der Handlung die beiden nur aufgrund der spielerischen Nuancen zu unterscheiden; die etwas zurückhaltende Art Beverlys, das selbstsichere, fast arrogante Auftreten Elliots. Ebenso entfaltet sich die Handlung. Was noch recht locker beginnt und hier und da sogar ein wenig Schmunzeln entlockt, wird langsam aber unaufhaltsam zu einem beunruhigenden Selbstzerstörungsprozess der beiden Hauptfiguren, das unfassbare Grauen im Zuschauer wächst mehr und mehr, bis schließlich alles in einem bizarren und verstörenden Finale gipfelt.
Ein wirklich gruseliger Film, zutiefst beunruhigend.