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Nach seinen ersten beiden Solo-Filmen, die man bestenfalls als ratlos bezeichnen kann, darf sich Jerry Lewis endlich austoben – in Farbe und Breitwand. Regisseur Frank Tashlin etabliert sich hier endgültig als Lewis' bevorzugter Stammtisch-Zampano, der nicht nur zwei der besseren Duo-Filme mit Dean Martin betreut hat (Der Agentenschreck, Alles um Anita), sondern ganz allgemein auch als Lewis' bessere Hälfte angesehen werden kann. Wo Jerrys Witzeleien schnell unkoordiniert werden konnten, lieferte Tashlin einen besseren, weil strafferen Gesamtüberblick. Schließlich und endlich war Tashlin – ehemals Trickfilmregisseur einiger Looney Tunes – auch bestens mit dem chaotischen Körperhumor vertraut, den Lewis praktisch betrieb wie andere Leute Sport. Der Babysitter darf dabei sogar noch als verhältnismäßig zahm bezeichnet werden.

Gezeigt wird die Geschichte des hoffnungslos verliebten Clayton (Lewis), dessen Herz noch immer für die alte Jugendfreundin Carla schlägt – obschon die mittlerweile Hollywood-Star ist, gar nicht mehr groß um den Treudoofen weiß. Als Carla aber unverhofft schwanger wird und ohne Mann da steht (weil frisch gestorben), den Skandal befürchtet, fällt ihr doch wieder Clayton ein. Der könnte doch auf das Kind aufpassen, solange sie – Carla – ihren aktuellen Kassenschlager dreht; zum Schluss soll eine Adoption den nahen Sturz in romantische Publicity verwandeln. Was weder einfach noch besonders logisch klingt, erfährt in der Realität eine weitere Wendung: Drillinge werden geboren. Unwissend willigt Clayton ein, nur um in der magischen Nacht nicht nur einen, sondern drei Findelkind-Körbe aufzulesen.

Was folgt ist die bekannte Blaupause des »alleinerziehenden Vaters«, die schon Jahre zuvor ein sicherer Packesel war und es auch heute noch ist. Bemerkenswert dabei: Lewis funktioniert nicht allein. Erhob sich der Star in späteren Filmen auch gerne zur Sonne (mit allzu kurzer Umlaufbahn), reagiert er hier vor allem. Denn ob nun die Schwester seiner großen Liebe, die ihm alle naselang die gefundenen Kinder abschwatzen will, oder deren argwöhnischer Vater: alle Figuren sind überzeichnet und comichaft, nicht etwa nur der Hauptdarsteller. Das ist einerseits sehr erfrischend, in seiner pausenlosen Lebendigkeit aber auch anstrengend.

An Witzen nämlich wird nicht gespart, im Dutzend billiger. Trifft auch so manche Pointe, vertun sich Lewis und Tashlin oft in der Zeit. Allein Claytons Einführung als – natürlich – trotteliger Dorfjunge, der mal eben die Apokalypse heraufbeschwört und mit einem Feuerwehrschlauch kämpft, dauert gefühlt zwei Tage und ist schon fast ein Finale... wäre es nicht der Beginn des Films. Auch Claytons spätere Imitation eines Fernsehprogrammes, das den betrunken-aggressiven Vater müde machen soll, gerät außerordentlich lang – und bald zur Tortur. Wer indes schon lachen muss, wenn ein Baby süß hüstelt oder glotzt, hat hier sein Bernsteinzimmer entdeckt.

Das soll nicht heißen, dass der Film nicht seine Momente hat, manchmal gar zur Lachträne zwingt. Im Kugelhagel treffen eben doch noch genug Gags. Vor allem aber zeigt sich Lewis chaplinesk, hat seine stärksten Momente, wenn dann mal kein Witz im Vordergrund steht, er einfach nur mit den Babys hantiert, lächelt, sich stolz gibt. Mag Lewis später auch öfter den verhinderten Ziehvater gespielt haben, bleibt seine Leistung hier die vielleicht ehrlichste, wärmste. Selbst den abzusehenden Pathos zum Klimax hin bewältigt der Clown – überraschend? - souverän.

Trotz einiger Längen (vor allem den wenig probaten Musical-Nummern) ist Der Babysitter ein rundheraus herzlicher Film, bunt und schrill, dabei zwar Kind seiner Zeit, dennoch auch zeitgemäß, ein bisschen riskant – zumindest für die Fifties. Mögen einige Gags auch nicht zünden, andere wie Kaugummi an der Brille kleben, am Ende schmeckt Lewis' dritter Solo-Film wie Süßes aus Omas Keksdose: Krümelt bis nach Spandau, ist aber trotzdem ganz lecker.

6,5/10

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