Im Zuge des überwältigenden Erfolges der James Bond-Reihe ist es nicht weiter verwunderlich, dass neben diversen eher minderwertigen Derivaten auch Persiflagen auf das Genre in die Kinos kamen. So ist „Matchless – Der unsichtbare Spion“ eben ein jener Vertreter der letztgenannten Gruppe, der sogar mit einigen bekannten Gesichtern aufwarten kann:
Perry Liston (Patrick O’Neal) ist Auslandskorrespondent für eine New Yorker Zeitung und befindet sich aufgrund von Spionageverdacht in chinesischer Haft. Dort erhält er von einem sterbendem Zellengenossen einen magischen Ring, der es seinem Träger erlaubt für 20 Minuten unsichtbar zu sein. Natürlich nutzt Liston diesen glücklichen Zufall zur Flucht aus, was bei seinem anderen Zellengenossen Hank Norris (Henry Silva) zu großem Unmut führt und dieser darauf die Fronten wechselt und Liston den ganzen Film durchweg verfolgt. Perry trifft indessen eine unbekannte Schönheit, die ihrerseits eine amerikanische Agentin ist, und den unschuldigen Reporter zum US-Geheimdienst bringt, der ihn, aufgrund seines magischen Ringes, für ein spezielles Unternehmen benötigt: Gregori Adreanu (Donald Pleasance), ein zwiechlichtiger Schurke, ist in den Besitz von einer wertvollen Substanz gekommen, deren Existenz weitreichende Folgen für die gesamte Menschheit haben könnte. Zusammen mit seiner Kontaktperson Arabella (Ira von Fürstenberg) in London, kann sich Liston in Adreanus Organisation einschleusen und schließlich in den Besitz der geheimen Flüssigkeit kommen. Natürlich ist der ehemalige Besitzer wenig begeistert und nimmt die Verfolgung auf und als sich dann auch noch der russische und chinesische Geheimdienst einschalten, scheint die Situation aussichtslos zu sein...
Die Geschichte klingt bizarr und abgedreht? Ja, das ist sie auch. Der Zuschauer wird hier auf eine einhundertminütige Fahrt mitgenommen, dessen Ende doch zu Beginn etwas ungewiss ist. Schon am Anfang gibt der Film ein ordentliches Tempo vor und dieses wird dann während der gesamten Laufzeit auf gleichem Niveau gehalten, sodass man wenig Zeit zum Verschnaufen hat. Die Drehorte wechseln genauso schnell, wie manche Leute ihre Kleider: China, Washington, New York, London und Hamburg dienen hier als Bühne für diese Agentenkomödie. Typisch 60iger Jahre, gesellen sich schrille Klamotten und ein gewisser Hauch Sexappeal dazu und besonderer letzterer braucht sich nicht vor den Originalen verstecken. Reizende junge Damen in leichter Bekleidung versüßen dem geneigten Zuschauer den Filmabend. Was bietet nun der Film neben all den optischen Schmankerln? Die Story ist, wie man schon der Inhaltsangabe entnehmen kann, komplett blödsinnig und bietet somit einen wunderbaren Nährboden für aberwitzige und absonderliche Situationen: Da wird z.B. diese höchst gefährliche Substanz gejagt, von der niemand so recht zu wissen scheint, wieso sie eigentlich so bedeutend sei. Dazu gesellen sich nicht nur psychopathische und/oder debile Geheimdienstoffiziere, sondern auch dämliche Bodyguards, technische Spielereien und was man sonst noch so braucht, um das Genre durch den Kakao zu ziehen. Durch all diese Konstellationen stolpert nun Perry Liston von einer schrägen Lage in die nächste und kann dabei seinen Kopf immer irgendwie aus der Schlinge ziehen, sei es durch seine Fähigkeit sich unsichtbar zu machen oder weil er einfach Glück hat. Immer wieder gibt es direkte Anspielungen auf James Bond, so z.B. bei dem Gespräch zwischen Perry und dem amerikanischen Geheimdienstler, wo Liston nach Sendern zur Kommunikation und ähnlichen Spielereien fragt, die dem Agenten eingepflanzt werden und dass er diese eben aus jenen Filmen kenne und worauf ihm geantwortet wird, dass man eine viel bessere Alternative kenne. Er solle doch einfach anrufen, wenn er mit ihm (dem Geheimdienstchef) sprechen möchte. Nach einiger Zeit zünden die Gags aber leider nicht mehr so, da sie oftmals nach dem gleichen Schema ablaufen und dadurch etwas monoton wirken, was sicherlich schade ist, da man so noch einiges mehr aus dem Film hätte herausholen können. Außerdem scheint besonders das Ende, trotz aller vorhergegangenden Vorkommnisse, zu aufgesetzt, da der Film hier wieder auf Elemente eingeht, die man während der restlichen Laufzeit nahezu vernachlässigt hat und so nur am Anfang eine Rolle gespielt haben. Im Speziellen meine ich hier das plötzliche Auftreten der Chinesen. Aber da man hier sowieso keinen Autorenfilm erwartet, kann man über diese Macken und etwaige inhaltliche Fehler ruhig ein wenig hinweg sehen.
Mit Donald Pleasance, der den meisten sicherlich wegen seinen Auftritten in den „Halloween“-Filmen ein Name ist, und Herny Silva tauchen hier gleich zwei bekannte Gesichter auf, die in dem Film auch ähnliche Rollen spielen. So verkörpert Pleasance den reichen Ganoven Adreanu, der doch eher eine Witzfigur ist und so im krassen Gegensatz zu solchen Bösewichtern wie Goldfinger, Blofeld etc. steht. Im Film ist er meistens einen Schritt zu spät, hat einen komischen Brillentick und geht am Ende im wahrsten Sinne des Wortes Baden. Henry Silva als Hank Norris gibt dagegen einen glücklosen Spion, der verzweifelt versucht an den magischen Ring von Liston heranzukommen und dabei von den Parteien nur ausgenutzt wird. Durch seine trottelige Art steht er sich dabei immer selbst im Weg und bringt sich um gute Chancen. Beide Rollen, sowohl die von Pleasance, wie auch die von Silva, werden sehr ordentlich präsentiert und entlocken doch das ein oder andere Lachen. Patrick O’Neal hat, wenn er sich nicht gerade aus einen brenzligen Situation befreien muss, immer einen lockeren Spruch auf den Lippen und ihm scheint der Dreh sichtlich Spaß gemacht zu haben, denn seine Verkörperung der Rolle des Perry Liston weiß zu gefallen und erscheint glaubwürdig. An seine Seite gesellt sich mit Ira von Fürstenberg auch noch das obligatorische „Bond-Girl“, was primär gut aussieht und sekundär hübsch ausschaut. Reicht eigentlich ja auch, oder etwa nicht?
Die Musik stammt u.a. von Ennio Morricone und der Maestro hat, wie nicht anders von ihm zu erwarten, zu jeder Situation eigentlich die passende Untermalung zur Hand, wodurch der gewisse Charme des Filmes noch unterstrichen wird. Sicherlich gibt es hier keine so eindringlichen Stücke, wie sie in anderen Filmen zur Verwundung kamen, doch der Score leistet gute Arbeit.
„Matchless – Der unsichtbare Spion“ ist ein typisches Produkt seiner Zeit: locker leichte und spaßige Unterhaltung, die man nicht allzu ernst nehmen darf. Wer sich dessen stets bewusst ist, kann diese Veralberung des Agentenfilmes sicherlich genießen und die inhaltlichen Schwächen übersehen, die aber neben dem absteigenden Niveau der Witze dazu führen, dass eine Spitzenposition verwehrt bleibt.