Über die wahren Begebenheiten, die dem Film zugrunde liegen, muss nicht lange nachgedacht werden, denn es handelt sich um die Flugzeugkollision von Überlingen, die sich im Juli 2002 ereignete und 71 Opfer forderte. Mit dem Thema Rache hat das Ganze herzlich wenig zu tun, es lenkt eher jene Zielgruppe in die Irre, die einen Actioner mit Arnold Schwarzenegger erwartet.
Fluglotse Jake (Scoot McNairy) arbeitet allein im Tower, als das Telefon streikt und der Kollisionskurs zweier Passagiermaschinen zu spät bemerkt wird. 271 Menschen sterben, unter anderem auch Frau und Tochter des Bauingenieurs Roman (Schwarzenegger), der lange Zeit nach Antworten sucht, während sich Jake immer mehr von Frau und Sohn entfernt…
„Aftermath“, so der Originaltitel, lässt sich am ehesten mit dem Begriff „Nachwirkungen“ übersetzen, was bei dem Drama des Regisseurs Elliott Lester genau dem Fokus entspricht. In parallel angelegten Erzählsträngen erleben wir zunächst, wie Roman bei der geplanten Ankunft seiner Familie am Flughafen in separate Räume begleitet wird, wo er schließlich die niederschmetternde Nachricht erhält. Kurz darauf erfahren wir, welchen Anteil Jake dabei trägt, wobei die jeweiligen Piloten komplett ausgeblendet werden, was die Suche nach dem Schuldigen vermeintlich vereinfacht.
Verlust, Trauer, Schuld und Vergeltung sind die wesentlichen Aspekte der Tragödie zweier Männer, denen von einem Moment zum anderen die Grundlage ihrer Existenz entzogen wird.
Die grundsolide Kamera unterstreicht einige Male, wie die einst lebenslustigen Figuren an den Rand geraten, die Bodenhaftung verlieren, während immer wieder Kondensstreifen am Himmel zu sehen sind. Vielleicht war das Aufeinanderprallen der Flugzeuge in genau der Situation unvermeintlich und eventuell scheint ein finales Aufeinandertreffen jener unterschiedlicher Leidensgenossen ebenfalls unausweichlich.
Schwarzenegger performt auf seine alten Tage erstaunlich nuanciert und offenbart viel Feingefühl. Wie er da so zwischen den Leichensäcken kauert, den emotionslos auftretenden Anwälten vehement das Familienfoto entgegenhält oder nach dem Besuch seines Arbeitgebers auf der Veranda beinahe zusammensackt ist durchaus ergreifend, wobei McNairy nicht minder intensiv performt und speziell in der stark traumatisierten Phase ein paar sehr starke Momente hat. Nebendarsteller wie Maggie Grace verkommen da fast schon zu schmucklosen Beiwerk, zumal nahezu sämtliche Nebenfiguren sehr oberflächlich gezeichnet sind.
Die über allem liegende Schwermut wird kaum von einem Hoffnungsschimmer durchbrochen, die nagende Tristesse lässt erst gar keine Spannung aufkommen, obgleich die Frage in der Luft liegt, wo und zu welchem Zeitpunkt Roman und Jake aufeinander treffen werden.
Leider kommt das letzte Drittel ein wenig holprig daher, es kommt zu einem Zeitsprung von zehn Jahren, bei dem die Maske völlig pennt und einer finalen Begegnung, auf die man gut und gerne hätte verzichten können. Im Kontext der ansonsten betont ruhigen Herangehensweise erscheinen die letzten Szenen beinahe hastig und sprunghaft.
Dennoch, im Gesamtbild liefert Lester ein feinfühliges Drama ab, das sich auf seine intensiv spielenden Hauptdarsteller verlassen kann, auf einen atmosphärischen, beinahe sphärisch anmutenden Score setzt, jedoch spannende Entwicklungen vermissen lässt, welche die Tragödie etwas nachhaltiger hätte wirken lassen.
6,5 von 10