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„Roter Drache“, das stilvolle Remake von Michael Manns „Manhunter“, kann das Original noch übertreffen.
FBI-Agent Will Graham (Edward Norton) spürt einem Mörder nach, der seine Opfer immer zerschnitten hinterlässt. Dabei wird er ausgerechnet von dem Täter unterstützt, dem kultivierten Kannibalen Dr. Hannibal Lecter (Anthony Hopkins). Doch durch einen Geistesblitz kommt Graham hinter das Geheimnis seines vermeintlichen Verbündeten und kann ihn fassen – aber nicht ohne, dass Lecter ihn schwer verletzt. Der Beginn ist sehr spannend, denn der Zuschauer weiß natürlich sofort, dass Lecter der Killer ist und wenn der unwissende FBI-Agent der Lösung tödlich nahe kommt, dann steigt die Spannung auf ein Höchstmaß.
Nach seiner Genesung zieht sich Graham zurück, doch ein Killer, der bereits zwei komplette Familien abgeschlachtet hat, ruft das FBI auf den Plan. Sein früherer Vorgesetzter Jack Crawford (Harvey Keitel), der Grahams Fähigkeit sich in den Täter hineinzuversetzen benötigt, kann ihn breitschlagen, bei den Ermittlungen zu helfen. Grahams Art als Profiler ist wirklich sehr interessant für den Zuschauer, denn so wie er die Tat rekonstruiert, fiebert der Seher regelrecht nach neuen Erkenntnissen in dem Fall.

Zwar kann Graham einige unentdeckte Spuren sichern und ein paar Erkenntnisse über den Täter gewinnen, aber er kann sich nicht in die sogenannte „Zahnfee“ hineinversetzen. So entschließt er sich zu einem mutigen Schritt: Er fragt den inhaftierten Lecter um Rat. Tatsächlich hilft ihm der Menschenfresser, aber nicht ohne sein eigenes Spiel zu spielen...
Zwischen „Manhunter“ und „Roter Drache“ gibt es einige gravierende Unterschied, wobei die grobe Handlung beibehalten wurde. Zudem soll sich „Roter Drache“ mehr an den Roman halten als der Vorgänger. Dabei erweist sich das Remake als spannender und hintergründiger als das trotzdem recht gute Original. Die Handlung, die nach einer Weile auch dem Täter folgt, ist immer spannend, bietet einige Szenen mit echt nervenaufreibendem Thrill und wird über seine ca. 120 Minuten nie langweilig. Die Wendungen des Drehbuchs sind recht geschickt, auch wenn sie teilweise überraschender kommen könnten.
Abzüge gibt es für kleine Länge, die sich in dem Film auftun. Denn im Mittelteil wird „Roter Drache“ zwar nicht langweilig, aber die Handlung könnte mitreißender sein. Doch einige mögliche Klippen werden dafür gut umschifft. So verfällt der Film nicht der Versuchung Hannibal zur Hauptfigur zu machen (auch wenn Hopkins’ Name als erster auf der Besetzungsliste steht), sondern der Doc bleibt wie in Buch und Filmvorgänger eine Nebenfigur.

Wenn man bedenkt, dass Brett Ratner bisher nur Actionkomödien und eine Romantic Comedy inszeniert hat, so verwundert das düstere Styling von „Roter Drache“, aber auch diese Art von Atmosphäre hat Ratner drauf. Dabei bleibt sehr stimmig und subtil, was für den kompletten Film gilt, auch für die härteren Szenen. Denn von einer Ausnahme nach ca. 2/3 des Films werden die meisten Gewaltszenen nur kurz gezeigt oder spielen sich im Kopf des Zuschauers ab; lediglich besagte Szene ist etwas expliziter (ich will nicht spoilern, aber wer den Film gesehen hat weiß welche ich meine).
Anthony Hopkins ist als Hannibal mal wieder einsame Klasse und überzeugt auch als Nebenfigur ebenso wie Hauptdarsteller Edward Norton und Ralph Fiennes, wobei ja alle drei in der Vergangenheit schon großartige Leistungen ablieferten. Auch die Leistungen der Nebendarsteller (darunter auch bekannte Gesichter wie z.B. Harvey Keitel) sind allesamt im oberen Bereich, so dass man auf schauspielerischer Seite rundum zufrieden sein kann.

Sehr atmosphärischer und spannender Thriller, wenn auch mit kleineren Längen. Alles in allem 7,5 Punkte für „Roter Drache“.

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