Von den Medien "Zahnfee" getauft, tötet der "rote Drache" Francis Dolarhyde (Ralph Fiennes) ganze Familien. Will Graham (Edward Norton), der sich nach der Verhaftung von Dr. Hannibal Lecter von seinem Beruf zurückziehen will, hilft dem FBI und seinem alten Freund (Harvey Keitel) bei der Spurensuche.
Doch als auch Graham nicht mehr weiter weiß, muß er sich Lecter einmal mehr stellen, um Informationen zu bekommen, denn Lecter steht mit dem Killer in Verbindung...
Dieser Film ist eher ein Remake des Streifens von 1986. "Roter Drache" übernimmt etwa 75% des alten Handlungsfadens - inklusive der Bilder. Gut, bei einer Literaturvorlage kann man schlecht abweichen, doch vom alten Film hätte man schon etwas mehr abgehen können. Ich war sehr gespannt, als ich hörte, daß der Regisseur der Rush Hour-Reihe diesen Film als Projekt bekommen hat. Was macht ein Regisseur, der durch Action-Komödien bekannt geworden ist, aus so einem Thriller?
Meine Nervosität war unbegründet, wie sich herausgestellt hat. Rattner setzt auf die richtige Mischung aus Suspense, Schock und gute Führung der Hauptcharaktere. Da kann ich nur sagen: Weiter so!
Die schauspielerische Leistung von Edward Norton als vorsichtiger, dann aber immer verbissener forschender Graham kann sich sehen lassen, ebenso Ralph Fiennes als psychotischer Killer mit doppeltem Geist.
An dieser Stelle darf man natürlich Anthony Hopkins nicht vergessen, dessen Darstellung von Lecter gewohnt gruselig ist. Er lebt diesen Charakter, anders kann man es nicht ausdrücken. Er ist schon böse, bevor er den Mund aufgemacht hat. Seine bissigen Kommentare kommen hier wieder voll zur Geltung und scheinen ab und an den Zuschauer selbst zu treffen. Man kann ihn einfach nicht hassen, er ist wirklich der "Captain Gut" unter den Bösewichtern des Kinos.
Harvey Keitel wird hier deutlich zum absoluten Nebendarsteller, der einfach nur die Verbindung Grahams zum FBI sein soll und nicht viel mehr. Er gibt die Antworten auf Grahams Fragen, tut jedoch alles, damit sein Charakter nicht nur dumm in der Ecke steht und auf Stichwort seinen Text abspult.
Die Grundstimmung ist düster, Auflockerung täte Not, aber durch das Nichtvorhandensein eben jener Auflockerung ist der Film durchgängig spannend, ohne zu langatmig zu werden. Vor allem wird wieder mit der Zuneigung der Zuschauer zu einigen Charakteren gespielt.
Gegen Ende hat es Fiennes wirklich gut gezeigt, daß seine Identitäten gegeneinander spielen und eine Überhand über die andere gewinnen will. Die vorhandene Musik unterstreicht die wenigen Schockmomente und die Gesamthandlung ziemlich gut. Bluteffekte werden spartanischer eingesetzt als es bei Hannibal der Fall war, dies ist jedoch nicht weiter schlimm, da es ja ein Suspense-Film sein soll und kein Slasher-Movie. "Roter Drache" geht mit großen Schritten dem "Schweigen der Lämmer" entgegen. Die dort von Demme gehaltene Spannung kann Rattner hier auch gekonnt einsetzen.
Wie schon am Beginn gesagt, werden die Szenerien des alten "Manhunter" weitgehend übernommen, die Rollstuhl-Szene ebenso wie die Strumpfmasken-Szene. Die Dialoge des Films wirkten für mich nicht aufgesetzt oder aus Ideenarmut verlängert, sie geben guten Einblick in die Gedankengänge der Charaktere.
Am Ende des Filmes gibt es noch eine lockere Überleitung zu "Das Schweigen der Lämmer", die einzige Szene, die mir ein Schmunzeln abgerungen hat.
Schlußendlich gibt es eigentlich nichts zu meckern an diesem Film, er ist nichts besonderes, nichts Neues, trotzdem bietet er kurzweilige Unterhaltung und Spannung während seiner Dauer. Deswegen 7/10 Punkte.