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SICKLE beginnt mit einer circa 2,5 minütigen splattrigen Sequenz von Infizierten in einem Krankenhaus die Patienten überfallen, die man zunächst für einen Fake-Trailer im gewohnten Kontext einer Grindhouse Produktion hält. Wieso diese Nonsuch-Pictures Production mit dem Namen THE NECRO WARS 2D am Anfang von SICKLE steht, wird hier natürlich nicht verraten und soll wie der Rest des Films versucht nicht gespoilert zur werden. Erst nach weiteren 8 Minuten gibt der Vorspann bekannt, in welchem Film man sich überhaupt befindet. Nicht ohne jedoch vorher unsere vermeintlichen Helden der ersten Minuten sehr blutig in die Grenzen zu verweisen. Hierbei spielt eine Handsense eine entscheidende Rolle.

Inhaltlich geht s um Travis (Dustin Leighton) und seine Bandmitglieder die scharf auf mehr Geld sind und es zunächst mit dem Überfall eines Stripladens angehen. Wie man im Film aus dem Radio später erfährt bezeichnet lokale Presse diesen Einsatz danach als "Silikon-Schlachtfest". Danach flüchten sie in Richtung mexikanische Grenze. Dort haben sie aber nicht mit dem sadistischen Sheriff Sickle (Kane Hodder) gerechnet, der mit Kriminellen seine ganz eigene Art des Umgangs pflegt. SICKLE ist ganz dem Look der 70er gewidmet und die Story hat Anteile von diversen Klassikern wie LAST HOUSE ON THE LEFT sowie Verfilmungen um die Charles Manson Geschehnisse. Auch der Einfluss christlich-fundamentalistischer Strömungen wird in entsprechenden Szenen gekonnt eingesetzt.

Die ganze Palette an formalen optischen Kriterien des Grindhouse Looks werden präsentiert, Filmfehler diverser Art, jump-cuts, Verwaschungen, Dreck auf dem Negativ, unvermittelt wackelnde Kameras, Farbfehler und -sprünge, ständige Texteinblendungen, Comiceinschübe, knisternder und springender Ton und vieles Abwechslungsreiche mehr. Der angenehm wirre Trailer gibt einen guten Querschnitt ab was den geneigten Seher erwartet. Das betrifft vor allem das erste Drittel von SICKLE und nach einer sehr langen Szene in einem Stripclub gibt es eine kleine formale Zäsur und es wird zumindest optisch zeitweise etwas ruhiger.

SICKLE lässt sich auch als gutes Gorehound Futter verwenden. Die in Deutschland ungeschnittene FSK 18 ist angesichts der derben Schusswunden, diversen Gesichtsverletzungen, Schuhabsätzen in Augenhöhlen und der von Sheriff Sickle mit allen Ruhe und Härte durchgeführten TorturePorn ähnlichen Szenen durchaus berechtigt. Dazu erklingt beste Hillbilly Musik. Sogar die gute alte Chainsaw wühlt sich deutlich sichtbar durch wild zuckende Eingeweide. SICKLE glänzt auch mit ein wenig mit einer Hommage an TEXAS CHAINSAW MASSACRE und sogar kannibalistisch geprägten Einwürfen.

Kane Hodder überzeugt hier durch seine glaubhafte und fast stoische Art, die komplett unberechenbar ist und im nächsten Moment vor Gewalt geradezu explodiert. Es verwundert also mehr als positiv, dass die FSK hier mal ausnahmsweise nicht tätig wurde. SICKLE geradezu über vor schrägen Charakteren, die in der dreckig blutigen Atmosphäre alle gut zur Geltung kommen. Natürlich kann SICKLE mit einem äußerst zynischen Ende aufwarten, welches den "bösen Elementen" bestens in die Hände spielt. Für Freunde des trashig-grindhousigen Terrorkinos kann ich eine große Empfehlung aussprechen. Und wie meist bitte während des Abspanns sitzen bleiben…es lohnt sich.

6,5/10 Punkten

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