Review

Mit „Memories“ lassen Katsuhiro Otomo, Koji Morimoto und Tensai Okamura im Jahre 1996 noch einmal eine schöne Tradition aus den 80ern aufleben. Damals gab es eine ganze Reihe von Episodenfilmen in denen große Namen der Animeszene zeigten was sie so alles auf dem Kasten haben. Schon damals war Otomo bei einigen dieser Werke mit an Board und auch Koji Morimoto steuerte damals schon eine Episode zum Robot Carnival bei.
Nun lassen die drei also die schöne alte Tradition wieder aufleben und präsentieren uns je eine Kurzgeschichte.

Los geht es mit „Magnetic Rose“ von Koji Morimoto. Der nimmt sich dafür sogar einen Kurzmanga von Otomo zur Vorlage und kreiert daraus eine düstere Sci-Fi-Mysterie rund um eine seltsame Raumstation die einer alten Opernsängerin als Rückzugspunkt dient. Dabei verbindet er sehr geschickt „Altes“ wie Geister mit „Neuem“ wie Raumfahrt. Ja eigentlich zwei Dinge die naturgemäß nicht unbedingt miteinander harmonieren. Das er dabei das innere der Raumstation im Stiele eines alten Schlosses, oder zumindest sehr vornehmen Hauses, ausstattet ist ein guter Kniff, da dies einerseits durch die „Hausherrin“ gut passt und andererseits dem Spuk doch einiges mehr an Flair verleiht als die üblichen kühlen Raumstationen die man aus anderen Sci-Fi-Filmen so kennt.
So gelingt es ihm eine schöne Horroratmosphäre zu entwickeln die zunimmt, um so mehr seltsame Dinge passieren und sich das geheimnisvolle Eigenleben der Station offenbart. Die Männer werden dabei immer mehr gefangengenommen von den Illusionen die ihnen die Station vorspielt.
Nun ist dieses Szenario zugegebener Maßen nicht unbedingt grad das innovativste, aber dafür eben sehr spannend umgesetzt und vor allem mit hervorragenden Bildern versehen. Besonders die Designs sind ein Augenschmaus. An den Wänden der Station prangen prunkvolle Gemälde, ganz im Stiel der alten Opernhochzeit, die wirklich toll gezeichnet sind. Da trifft alte Kunst auf neue. Aber auch die Charadesigns sind gut und die Animationen, absolut auf der Höhe der damaligen Zeit, können sich auch heut noch sehen lassen.
Toll ist auch die musikalische Untermalung des ganzen, natürlich passend mit vielen Opernstücken.

Geschichte Nummer 2 „Stink Bomb“ von Tensai Okamura ist da schon innovativer als die erste. Ein ahnungsloser junger Wissenschaftler, der ohne es zu merken durch ein Versehen zu einer der grauenvollsten biologischen Waffen wird die die Welt je gesehen hat und die sie dementsprechend unbedingt vernichten will. Das klingt nicht nur schon irgendwie unfreiwillig komisch, sondern ist es auch. Das eigentlich sehr ernste und dramatische Thema wird mit einer ordentlichen Portion schwarzen Humors und auch leichtem Slapstick aufgelockert, zu einer bitterbösen Satire darauf wie der Mensch zum ahnungs- und hilflosen Opfer seiner eigenen unheilvollen Experimente und vor allem seiner nicht vorhandenen Voraussicht wird. Man ist hin und hergerissen zwischen Mitgefühl mit dem armen Teufel und Wut darauf wie er nur so doof und begriffsstutzig sein kann, das er nicht sieht das er es ist der den Tod übers Land bringt. Die Obrigkeit versucht sich der weilen natürlich erst einmal in Vertuschung, was wie immer nichts besser aber alles schlimmer macht.
Am Ende übertreibt es Okamura dann aber doch etwas mit den Slapstickelementen, wenn der arme Wissenschaftler auf seinem kleinen Mottorad unbeschadet durch einen Hagel aus Raketen und sonstigem Beschuss tuckert. Dieser „100 hochtrainierte Profis schaffen es nicht ein sich bewegendes Ziel zu treffen“ Effekt ist doch etwas ermüdend und wirkt leicht dämlich. Die erstrebte Darstellung des unfähigen Militärs in allen Ehren, aber man kann es auch übertreiben. Dafür ist das Ende aber wieder ein richtiger Knaller.
Rein optisch geht diese Episode recht konventionelle Wege. Zeichnungen, Designs und Animationen sind durchweg auf gutem Level, aber eher 08/15. Wirklich besondere Highlights gibt es nicht.

Den Abschluss macht dann Otomos „Cannon Fodder“, die experimentellste der drei Episoden.
Die Story an sich ist dabei wieder recht bekannt und besonders das allgemeine Umfeld in dem sie spielt erinnert mit seinem permanenten Kriegszustand und seinem totalitärem Staat doch sehr an Orwells „1984“. Der Krieg hält die Wirtschaft am laufen und die Leute beschäftigt und in einem ständigen Mangelzustand, so das sie nicht auf dumme Gedanken kommen. Die Jugend wird früh indoktriniert und militarisiert und die freie Meinung unterdrückt. Auch gibt es wieder die typische, gottgleiche Herrscherfigur auf die alle eingeschworen werden. Alles typische Punkte die man in vielen derartigen Dystopien wiederfindet. Sicher gut gemacht, aber eben nichts wirklich besonderes.
Das liefert Otomo stattdessen bei der Optik und vor allem bei den Designs. Während er bei der allgemeinen Umgebung in seinen typischen (Dampf-)Maschinen schwelgt, sind die Charadesigns doch auf den ersten Blick sehr gewöhnungsbedürftig. Andererseits passen sie mit ihrer grauen Haut und ihrem oft ausgezehrtem Aussehen perfekt zur tristen Stimmung der düsteren Zukunftswelt. Auch die Animationen sind gewöhnungsbedürftig. Einerseits gibt es z.B. tolle computeranimierte Kamerafahrten, dann aber wieder sehr billig wirkende Szenen in denen die Animationen aussehen wie 2D-Computersprites in alten Computerspielen.
Nichts desto Trotz ist auch diese letzte Episode sehr interessant und sehenswert.

So bleibt mir am Schluss nur übrig noch einmal anzumerken das „Memories“ ein toller Film ist der seinen Vorbildern aus den 80ern in nichts nachsteht. Genau das richtige für jeden der etwas anspruchsvollere Kost außerhalb der normalen 08/15-Animes haben will.

Details
Ähnliche Filme