Review

Deutschland gehört auf sportlicher Ebene auf jeden Fall zu den Ländern mit den besten Nachwuchsboxern, schon aufgrund der ungeheuren Promotion und dem dazugehörigen Medienspektakel.
Im filmischen Bereich sieht es da eher mau aus, denn Til Schweiger nimmt man beileibe keinen Boxer ab und auch das Werk über Max Schmeling, unter der Regie von Uwe Boll und Henry Maske in der Hauptrolle, lässt im Vorfeld nichts Gutes vermuten.
Mit dem schlichten „The Boxer“ schafft auch Regisseur Thomas Jahn nicht mehr, als einen von vorne bis hinten klischeebeladenen Sportfilm zu kreieren, der allenfalls hartgesottenen Fans Freude bereiten dürfte.

Die Handlung soll offenbar in Amerika spielen, wurde jedoch in Berlin gedreht.
Ben (Joshua Dallas) hat seinen Knastaufenthalt hinter sich gebracht und steckt voller Reue; er will einfach nur ein guter Mensch werden und sucht zunächst einmal einen Job.
Den Putzjob im Boxstall des alten Joe (Stacy Keach) bekommt er erst, als dieser ihn draußen frierend bei sich aufnimmt. Zunächst will Ben nicht kämpfen und Joe nicht trainieren, doch nach geballten Provokationen des Boxers Kevin (Henry Garrett) kommt alles ganz anders…

Wenn man sämtliche Klischees von „Rocky“ (I bis III), „Karate Kid“ und „Million Dollar Baby“ zusammenfasst und sich das Ganze als typisch deutsche TV-Produktion vorstellt, hat man bereits den groben Gesamteindruck.
Angefangen von dem wechselseitigen Verhältnis zwischen Trainer und Schüler (Misstrauen, Begeisterung, Streit, Selbstzweifel, das letzte Training vorm wichtigsten Kampf) über das Love Interest (natürlich zunächst mit dem Bösewicht/Endgegner zusammen) und den vielen vertrauten Eigenschaften der Figuren (Trainer Kettenraucher und schwer krank, Schüler vom traumatischen Erlebnis geprägt) kommt der Stoff völlig ohne Finesse oder überraschenden Punkten innerhalb der Story aus.

Dazu gibt es eine Menge abgedroschener Phrasen über das Leben als einzigen Kampf, einige Boxweißheiten die auf keine Kuhhaut gehen und jede Menge Gesülze der Figuren, obgleich Keach als mürrischer Trainer eine gute und glaubhafte Figur abgibt und auch Dallas als Titelfigur zumindest darstellerisch okay ist.

Als Sportler geht er allerdings nur bedingt durch, zwar vom Körperbau her, aber nicht von der Haltung beim Boxen selbst, was im Übrigen erst Recht für seinen Widersacher im Endkampf gilt. Die Choreographie ist zwar insgesamt brauchbar, doch diese nützt wenig, wenn die Kamera nur leidlich imstande ist, mitreißende Perspektiven einzufangen, die ein wenig Drive schüren. Besonders der finale Fight enttäuscht und unterstreicht, dass sich die Macher nicht allzu intensiv mit dem Boxsport auseinander gesetzt haben.

Dennoch kann man dem Stoff als Freund solcher Boxfilme noch etwas abgewinnen, denn irgendwo mag man ja auch diese leicht zerrütteten Typen mit dunklem Geheimnis in der Vergangenheit, zumal das Zusammenspiel zwischen Keach und Dallas den dünnen Inhalt recht gut beisammen hält.
Steht man auf ordentliche Hollywood-Streifen, muss man zwar arge Abstriche machen und wird auch zuweilen das nötige Herzblut vermissen, doch für eingefleischte Fans dürfte das eventuell noch ausreichen.
Allerdings auch nur für solche…
Knapp
5 von 10

Details
Ähnliche Filme