Review

Diese cineastische Mischung aus „Them“ und „Funny Games“ ist eine stets effektive, - greift der Terror genau dort um sich, wo sich die Figuren von Natur aus am sichersten fühlen: In den eigenen vier Wänden.
Mit Kammerspiel-Charakter und enorm intensiver Atmosphäre inszeniert Regie-Debütant Bryan Bertino seine Geschichte. Eine, die sich nicht, wie die Off-Stimme zu Beginn verkündet, so ähnlich zugetragen hat, sondern auf Kindheitserlebnissen des Regisseurs beruht, wobei es da „nur“ um Einbruch in der Nachbarschaft ging.

Just hat die Beziehung zwischen James (Scott Speedman) und Kristen (Liv Tyler) einen Knacks erlitten, weil sie seinen Heiratsantrag abgelehnt hat, während er im Ferienhaus seiner Eltern bereits Rosenblätter verteilte und der Champagner kalt gestellt wartete.
Als es um vier Uhr nachts an der Tür klopft und eine Frau nach Tamara fragt, ahnen die beiden noch nicht, in welchem Ausmaß der Terror um sich greifen wird.

Erfreulicherweise klammert Bertino graphische Gewalt weitgehend aus und konzentriert sich überwiegend auf psychische Extremsituationen, die er im Verlauf gekonnt zu steigern weiß.
Leider lässt er seine Figuren häufig überaus irrational handeln, denn wenn ich im Besitz eines funktionierenden Gewehrs bin und drei Maskierte ums Haus schleichen, ich auch weiß, dass sie bereits drin waren, dann gehe ich doch nicht allein hinaus und lasse meine Frau unbewaffnet im Versteck kauern. Ähnliche Unzulänglichkeiten finden sich mehrfach, sei es im Umgang mit dem Handy, einem Messer oder dem Potential, zu einem bestimmten Zeitpunkt ein fahrtüchtiges Fahrzeug zur Verfügung zu haben.
Kleinere Regie-Fehler, wie Humpeln in einer Szene, standfeste Bewegungen in der darauf folgenden, herbstliche Bäume am 11.Februar und unterschiedlich stark von Blut verschmierte Kleidungsstücke sind da schon eher zu verzeihen.

Demgegenüber zeichnet sich die Inszenierung durch handwerkliches Geschick aus. Langsame Kamerafahrten durch den angrenzenden Wald, durch die karg beleuchtenden Räume des Ferienhauses wissen stets die Bedrohung zu steigern, vor allem weil man zu keiner Zeit mit Stativ arbeitet und leichte Schwankungen mit der Kamera die unsichere Situation stets untermauern. Dazu kommt eine hervorragend eingesetzte Beleuchtung, die nie zuviel verrät und genügend im Dunkeln hält, um eben nie vor bösen Überraschungen sicher zu sein.
Was ihm aber primär zugute kommt, ist der stets wachsende Terror der drei Maskierten (ein Mann und zwei Frauen).

Das setzt bei immer heftiger werdenden Pochen an der Tür ein, steigert sich durch undefinierbare Geräusche am Fenster, auf dem kurz darauf etwas geschrieben steht.
Nachdem die Fenster von James Auto zerschlagen sind, ist auch der (endlich) ist höchster Bereitschaft, etwas gegen die Eindringlinge zu tun.
Manchmal sind es nur die kleinen Schockmomente, wie eine fremde Hand auf der Schulter oder das vermummte Antlitz hinter der Fensterscheibe, die dem Zuschauer das Adrenalin durch den Körper treiben.
An anderer Stelle ist es das schlichte Warten innerhalb einer ungewissen Lage, was die Sache latent spannend gestaltet.

Effektiv ist auch das Verhalten der Fremden, denn sie sprechen kaum, während man ihre Gesichter zu keiner Zeit sieht, auch nicht, als sie irgendwann ihre Masken abnehmen.
Das scheinbar banale Motiv macht die Psychopathen noch unberechenbarer, noch undurchschaubarer, auch wenn die bewährten Muster der Aggressionssteigerung im Verlauf kaum Überraschungen mit sich bringen.

Was das Mitfiebern deutlich erhöht hätte, wäre eine günstigere Einführung des Paares gewesen, denn so wird Kristin als unterkühlte Dame eingeführt und James als romantisch veranlagter Kerl, dem der abgelehnte Heiratsantrag sichtlich an die Nieren geht. Die ungleichen Sympathien werden im Verlauf dadurch ausgeglichen, dass sie deutlich effektiver handelt, während er in einigen Situationen völlig falsche Wege einschlägt.
Wobei Liv Tyler darstellerisch klar mehr zu tun hat, als ihr nicht weniger glaubhaft agierender Kollege Speedman.

So wird also ein Funkgerät im rettenden Moment zertrümmert, eine Falle gestellt und ein Eindringling aus dem Verborgenen heraus beobachtet. Diverse Abläufe kommen einem durchaus bekannt vor, doch das erzählerische Timing und die systematische Drehung an der Spannungskurve funktionieren trotz diverser Handlungsschwächen recht gut.
Worin er seinem französischem Pendant „Them“ hinterher hinkt, ist ein niederschmetternder Showdown, denn der hier fällt recht erwartungsgemäß und überraschungsfrei aus.
7,5 von 10

Details
Ähnliche Filme