Review

Genauso wie das amerikanische Publikum juckte mich das 160 Mio. Dollar Spektakel "Poseidon" recht wenig. Die von mir eingenommene Grundhaltung zu Blockbuster-Katastrofen-Filmen (= warten wir eben, bis das Ding auf DVD erscheint) sollte sich als Fehler entpuppen.
Peterson, der sich im Wasser-Element wohl fühlt und nun nach "Das Boot" (der mir persönlich bis auf den Score nicht gefiel) und dem halbgaren "Der Sturm" den dritten Film diesem Sektor widmet, erschuf mit "Poseidon" einen visuellen, hochspannenden Kracher.

Mit knappen neunzig Minuten ist der Film überraschend kurz ausgefallen - genauso wie die zehn Minuten lange Einleitung: Der Computer-animierte Luxusliner und die "wichtigen" Charaktere, die durch Zufall später gemeinsam einen Weg suchen für zu überleben, werden kurz vorgestellt. Ungewohnt, aber wie sich nach dem Ansehen rausstellt, eigentlich die perfekte Länge. Die Charaktere werden später noch ein wenig vertieft, auch wenn es nur Stereotype sind. Aber wen juckt das in solchen Filmen? Auf jeden Fall hat´s mir bei jedem (außer bei Ober-Arsch Matt Dillon) weh getan, wenn er in dem Chaos umkam.

Nein, Peterson hält sich nicht mit unnötigem Schnickschnack auf - hier geht´s nach der großen Welle ums nackte Überleben.

Wie auch immer man dazu stehen sollte, kommt diese Monster-Welle nach 600 Sekunden auf´s Schiff zugerollt. Und ab da gibt´s nur noch superbe Tricktechnik, Action und Hochspannung pur zu erfahren. Dem Zuschauer wird keine ruhige Minute mehr geboten.
Das Besondere ist, dass sich das Schiff nach der Welle kopfüber im Ruhezustand befindet. Gezwungenermaßen müssen die Passagiere für einen Weg nach "oben" in die Propellerräume gelangen, beispielsweise haben Treppen keine Verwendung mehr (außer zum Rücken Kratzen vielleicht). Für die "kopfüberstehenden" Locations wird wohl auch schon genug Geld verpulvert worden sein. Das sind alles so kleine, visuelle Feinheiten, die manchmal durch das hektische Treiben gar nicht auffallen wollen. Und davon abgesehen wurde wohl viel Zeit in Ideen gesteckt, die man mit Geld realisieren konnte, um alles noch spektakulärer aussehen zu lassen. Dazwischen kleine nichtssagende Menschen, genannt "Schauspieler", die bei solch einem Szenario eben nichts zu melden haben oder sich schon mal einen ölen können, für den Oskar abzuholen.
Es wurden viele bekannte Freibier-Gesichter wie Kurt Russel oder Richard Dreyfuss (legendär: Was ist mit Bob?) mit "ins Boot" geholt. Trotzdem steht die Heldenrolle, einem etwas mir eher unbekannteren, Josh Lucas zu, der anfangs keine Sympathien ernten kann durch sein erstes Auftreten, doch durch seine Aktionen es verdient hat, als Miniatur-Puppe am Rückspiegel des Autos zu hängen.

Was gibt´s weiter zu sagen? Das Schiff kracht und berstet, das Feuerwerk zu überstehen war für mich (bzw. meine Nerven) anstrengend, da es gar keine Pause zum schnell mal Pissen gehen gab.
Nur am Ende wurde eben zu dick aufgetragen. Man könnte fast schon eine Plagiats-Klage für eine 1:1 Armageddon-Szene fordern für das Ableben eines Charakters. Genauso als alle endlich den Weg nach draußen gepackt haben und fast noch erschlagen werden, hätte man sich sparen können.


Alles in allem ein Blockbuster, der den Namen verdient hat. Hier steht die Action und das technisch Machbare im Vordergrund, nicht die Story oder Charaktere. Wer dadurch nicht impotent wird, wird sich an diesem Film wahrlich ergötzen können. Und davon abgesehen, wer diesen Film als Remake ansieht, hört das Schwein nicht pfeifen. Ob der Titel nun "Poseidon" oder "The Real Horror Trip of Captain med. Blaubär" heißt ist Wurst. Selten so viele teure Effekte kombiniert mit permanenter Spannung erlebt. Abzüge (geringe) gibt´s für die seichten Schwächen am Schluss.

9,5/10

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