Thomas Graals bästa barn (1918)
33 Spielfilme hatte Mauritz Stiller bis 1916 gedreht, darunter bereits etliche Langfilme mit der Dauer einer knappen Stunde. Dann folgte "Thomas Graals bästa film" (1917), in welchem – erstaunlicherweise gar nicht ungewöhnlich für das frühe Kino – recht metafilmisch die Macht des (eskapistischen) Spielfilms verhandelt wird, wenn Hauptfigur Thomas Graal als Drehbuchautor einer geliebten Sekretärin aus adeligem Hause eine Filmrolle auf den Leib schreibt... Herrn Graal stellte kein Geringerer als Viktor Sjöström dar, der in den 10er Jahren der profilierteste Filmemacher Schwedens (oder Skandinaviens oder gar Europas) war und ein gefragter Darsteller noch dazu. An seiner Seite stand Karin Molander, die von 1910 bis 1918 mit Gustaf Molander verheiratet war, der für diesen Film das Drehbuch geschrieben hatte und von den 20er Jahren bis in die 50er Jahre hinein ein paar Kinoerfolge als Regisseur vorweisen konnte. "Thomas Graals bästa film" war die erste Verfilmung eines ausschließlich von Molander verfassten Drehbuches, der hiermit nach zwei früheren Mitarbeiten als Koautor seinen wahren Einstand im Filmgeschäft feiern konnte.
Der Film avancierte zu einem beachtlichen Publikumserfolg, der sich unüblich lange Zeit in den Kinos hielt, sodass dasselbe Team im Folgejahr eine Fortsetzung folgen ließ, die am 21. Oktober 1918 erstmals aufgeführt worden war. Erneut schreibt Molander ein Drehbuch, nach welchem Sjöström und Karin Molander unter Stillers Regie spielen. Und erneut flieht Titelfigur Thomas Graal in die Schreiberei: kein Drehbuch, sondern eine kurze Geschichte, welche er in seiner immer reizloser geratenden Ehe verfasst, derweil er heimlich das Schuhwerk seiner Gattin liebkost, die mittlerweile nur noch Augen für den gemeinsamen Sohn hat. Bedenkt man, dass die Ehe der Molanders 1918 ein Ende gefunden hat – manche Quellen geben 1919 an –, tut sich noch eine weitere Ebene über den Zusammenhang von Wirklichkeit und Fiktion auf. Allerdings nimmt dieser Aspekt in dieser Fortsetzung keinen sonderlich großen Raum ein. Bloß das Finale ist minimal von der Thematik betroffen, ansonsten hangelt sich der Film von Episode zu Episode und schildert die Probleme einer Ehe von der ersten bis zur finalen Krise, bleibt aber als Komödie durchweg heiter und mündet freilich in ein glückliches Ende.
Die Hauptdarsteller sind sichtlich mit Verve dabei, die Montage zeugt oftmals von großer Kunstfertigkeit und es lassen sich so einige inszenatorische Highlights entdecken: etwa die Symmetrie der Bilder und die Parallelmontagen bei dem ersten großen Ehezwist, der zur gegenseitigen Meidung führt; oder aber der lange Schwenk durch Bessie Graals Kunstsammlung; oder der Einsatz von Großaufnahmen; oder die Spiegel-Szenen und die effektvoll kontrastreichen Nacht-Szenen... Die ganz große Meisterschaft, die man von "Herr Arnes pengar" (1919) bis in die späten 20er Jahre immer wieder bei Stiller beobachten konnte, sucht man hier allerdings noch vergebens. Dennoch zählt Stillers Fortsetzung seines bis dahin größten Erfolges zu den besten Komödien ihres Jahrgangs...
Worum es geht, verrät die Inhaltsangabe von PierrotLeFou.
Registrieren/Einloggen im User-Center