„The Punisher“ ist eine Comic-Verfilmung der etwas anderen Art: Ohne F/X-Orgien oder übernatürlichen Elmenten handelt es sich um die gradlinige Rachegeschichte eines Mannes, welcher (anders als ein Großteil seiner „Marvel“-Kollegen) nicht auf „Superkräfte“ zurückgreifen kann – also quasi eine „Death Wish“-Variante für die heutige Generation, wobei der Faktor der Glorifizierung von Selbstjustiz geschickt durch den Comic-Ursprung abgemildert wird (was die FSK jedoch auch nicht daran hinderte, mit dem Film feinfühliger umzuspringen).
Die Geschichte ist schnell erzählt: Bei einem Drogendeal kommt der Sohn des reichen Geschäftsmannes Howard Saint (John Travolta) ums Leben – verantwortlich dafür macht er den Undercover-Polizisten Frank Castle (Thomas Jane), welcher die Operation leitete. Saints Rache fällt extrem blutig aus: Ein großes Familienfest wird zu einem einzigen Massaker, nur Frank überlebt schwer verletzt – seine folgende Vergeltung soll nun genauso konsequent ausfallen…
Nach Mark Goldblatts Adaption aus dem Jahre 1989 (mit Dolph Lundgren in der Hauptrolle) ist das hier nun also der zweite Leinwand-Auftritt des „Punishers“ – dieses Mal hat man sich mehr Mühe gegeben und ist dabei bewusst etwas vom Grundtenor der Vorlage abgewichen:
War der erste Film nur auf Action ausgerichtet, hat man hier zudem auf eine facettenreichere Story (Castle tötet nicht nur einfach, er spielt seine Gegner auch raffiniert gegeneinander aus), glaubwürdigere Charakterzeichnungen und einen Schuss Selbstironie gesetzt. Das mag nicht so konsequent wie „das Original“ sein, doch es verleiht dem Film mehr Tiefe. Action und Gewalt gibt es zudem auch noch reichlich – von Schießereien mit Waffen jeglichen Kalibers (auch Pfeil und Bogen kommen zum Einsatz), Explosionen, Faustkämpfen und Folterszenen ist alles vorhanden und auch nicht gerade zurückhaltend inszeniert worden.
Mit der Besetzung hat man den seriöseren Charakter dieser Neuauflage entscheidende Vorteile verliehen:
Castle ist kein Hüne mehr (wie es Lundgren damals war), sondern ein Mann „wie jeder andere“, der zu seiner neuen Rolle durch den Verlust der Familie getrieben wird – Thomas Jane („Thursday“ / „Deep Blue Sea“) ist dafür genau richtig besetzt worden. Die Tatsache, dass Frank innerlich noch nicht völlig tot ist, wird von seinen Nachbarn entscheidend am Leben gehalten, die sich im Gegenzug dann auch für ihn aufopfern und gar Folter über sich ergehen lassen – Rebecca Romijn-Stamos („X-Men“ / „Femme Fatale“) spielt die nette Kellnerin von nebenan ungeschminkt und glaubwürdig.
Auf Seiten der „Bösen“ wird Saint von Travolta („Swordfish“) absolut souverän (wenn auch nicht mit überragenden Akzenten) dargestellt. Ihm zur Seite stehen Laura Harring („Mulholland Drive“) und Will Patton („Armageddon“ / „Gone in 60 sec.“), beides talentierte Schauspieler.
Es war auch schön, mal wieder Roy Scheider („Jaws“ / „2010“) und Samantha Mathis („Hart auf Sendung“ / „American Psycho“) in Nebenrollen auf der Leinwand zu sehen.
Im Vergleich mit der 89er-Version wirkt diese hier wie eine Art „Prequel“, da es in diesem Fall um den Tod von Franks Familie und seinem direkten Rachefeldzug geht, nicht um den allgemeinen Kampf gegen das Böse. Mit dem sonnigen Florida als Location hat man das Anfangsgemüt von Castle gut aufgezeigt. Der Film endet damit, dass Frank seine einzigen Verbündeten verlässt und den Kampf gegen das Verbrechen antritt – die folgende Vereinsamung und Abstumpfung wird noch nicht gezeigt, doch das ist genau die Situation, in welcher sich Lundgrens Castle im anderen Film befindet. Zeitlich muss man den „Punisher“ 2004 also vor dem von 1989 einordnen.
Mit einer Lauflänge von 124 Minuten ist der Film in meinen Augen ein wenig zu lang geraten – eine Straffung hätte ihm gut getan. Da man den Blickpunkt verstärkt auf die Story gerichtet hat, wirken die Abstände zwischen den Actionszenen teilweise etwas lang. Man sieht auch in einigen Einstellungen, dass Regiedebütant Jonathan Hensleigh einfach noch nicht die Erfahrung und Routine besitzt. Der einzige („CGI“-) Special Effect des Films, bei dem am Ende die Autos auf dem Parkplatz in Form des „Punisher-Logos“ (im „Crow“-Stil) explodieren und ausbrennen, fand ich nicht ganz gelungen, passt aber nun einmal zur Comic-Vorlage, wie auch einige andere Einstellungen, bei denen Gewitterblitze im Hintergrund mal wieder eingesetzt wurden…
Hervorragend und erfischend fand ich die altmodische Inszenierungsart der Actionszenen: Mit Ausnahme des Showdowns gibt es keinerlei Kameraspielchen, keine Zeitlupen-Sequenzen und ausufernden „Shootouts“ – diese sind nämlich recht realistisch umgesetzt worden und dauern nicht länger als einige Sekunden an. Auch der (Faust-) Kampf zwischen Castle und dem russischen Killer kommt ohne die heutzutage fast üblichen „Martial Arts“-Einlagen aus, sondern ist einfach nur lang, hart und konsequent. Atmosphärisch gelungen ist auch der Auftritt von Mark Collie als Killer im „Mariachi“-Stil – vor seinem Angriff spielt er Castle noch ein (Grabes-) Lied auf der Gitarre vor … eine ruhige, aber unheilschwangere und stimmungsvolle Szene.
Fazit: Gute, selbstironische und harte Comic-Verfilmung mit fast altmodisch wirkender Action, bei der Story und Charaktere nicht zu kurz kommen – aber auch mit einigen Schwächen in der Inszenierung … 7 von 10.