Review

Die Familie Brandl schlägt wieder zu. Deep in my Mind ist der neuste Streich, der professioneller als je zuvor daher kommt. Aber kann der Blick, tief in die Gedanken des Protagonisten, auch überzeugen, oder wurde hier mehr versucht, als geschafft wurde?

Elliot Davis ist ein Versicherungsangestellte, welcher für seinen Chef im Land herumreist und neue Kunden wirbt. Eines Abends macht er Rast im Desdemona Hotel. Die Leute verhalten sich recht eigenwillig dort, aber Davis braucht seinen Schlaf und so gibt er sich mit dem Zimmer zufrieden, welches er von Harry, dem Pagen, zugeteilt bekommt. Doch merkwürdige Dinge passieren hier, Leute scheinen ihn zu kennen und wollen Erklärungen für Dinge, die er getan haben soll. Was ist hier los, was wollen die Leute von Elliot und woher kennen sie ihn?

Deep in my Mind ist wahrlich ein außergewöhnlicher Film geworden. Was sich Familie Brandl hier hat einfallen lassen, sucht im Independentbereich ihres gleichen. Deep in my Mind präsentiert eine Story, die von keinem geringeren als David Lynch stammen könnte. Bis zum Ende versucht man als Zuschauer das Rätsel um Davis und die mysteriösen Vorgänge im Hotel zu entschlüsseln. Immer wieder denkt man, man würde das Gewirr aus Charakteren und Ereignissen erklären können, nur um dann wieder festzustellen, dass das Ganze nicht so richtig zusammen passen will. Stetig wird einem ein neues Puzzlestück hingeworfen, von welchem man denkt, es würde Sinn ergeben, doch je weiter der Film voranschreitet, um so weniger Sinn machen die Ereignisse die bereits geschehen sind. Man muss wirklich stolz sein, dass sich ein Deutscher eine solche Story ausdenken konnte. Lynch wäre wirklich stolz auf ihn. Bleibt man doch am Ende genauso sprachlos und erklärungslos zurück wie es auch bei Lynchfilmen der Fall ist.

Die Schauspieler sind alte Bekannte, die auch schon in anderen Filmen von Familie Brandl, zum Einsatz kamen. Allen voran Günther Brandl himself, welcher Elliot Davis sehr gut verkörpert. Besonders von Vorteil bei einer solchen Rollen, ist es nun mal wenn der Kopf hinter dem Script sie selber mimt, da er genau weiß, wie die Rolle gespielt werden soll. Auch die restliche Cast ist nicht zu verachten und macht ihren Job, in Anbetrach dessen, dass es sich um einen Independentfilm handelt, sehr gut. Auch die weiblichen Darsteller sind nicht nur schön anzusehen, was sie zweifellos sind, besonders der Engel, sondern spielen die, extrem außergewöhnlichen, Rollen sehr gut. Hier kann man den Brandls wirklich einen gute Auswahl bestätigen.

Die Musik ist ein sehr wichtiger Punkt bei surrealen Filmen und auch hier haben die Brandls wirklich einen guten Geschmack bewiesen. Neben einigen, weise ausgewählten, Klängen, bekommt der Zuschauer zudem einige nette Musikstücke präsentiert, die das Ganze wirken lassen, als spiele es zu einer anderen Zeit. Dies erweckt stets das Gefühl, als würde man nie wissen, wann genau das ganze Geschehen passiert. Auch die Kamera bietet einiges für den geneigten Fan von surrealen Filmen. Sei es nun das Spiel mit einigen Situationen, die zwar nichts neues bieten, aber für die Umstände, dass es sich um einen Film handelt, welcher mit wenig Budget umgesetzt wurde, sehr ausgefallen daher kommen. Oder aber die verschiedenen Farben, welche hier wirklich die gesamte Bandbreite ausnützen, und stets richtig gewählt wurden. All das unterstützt den Eindruck, als bekomme man den Einblick, tief in die Gedankengänge des Protagonisten. Zudem profitieren einige Szenen von der Zusammenarbeit von Kamera und Musik. Das beste Beispiel dürfte wohl die Märchenszene sein, auf welche ich nicht allzu tief eingehen will, damit sie nichts von ihrem Reiz und ihrer Kraft einbüßt. Auf jeden Fall zeigt diese Szene, dass auch im Independentbereich manche Leute wirklich ein Gespür für einzigartige und vor allem unvergessliche Szenen haben. Besonders die Schnitte sind sehr einfallsreich und wirken fast wie ein Feuerwerk an Bildern, die dem Zuschauer immer wieder den Boden unter den Füßen wegzieht. Hier hat der Schnitt wirklich einen sehr guten Job gemacht, wodurch der Film vieles an Kraft und Tempo gewinnt.

Die Effekte halten sich eher zurück, was bei den Brandls aber schon fast dazu gehört.Blut bekommt man nur sehr sporadisch zu Gesicht und wirklich harte Szenen bekommt man überhaupt nicht zu Gesicht. Was im Kontext aber auch die einzig richtige Entscheidung gewesen sein dürfte, da alles andere die Stimmung zerstört hätte. Dafür bekommt man immer wieder recht interessante Bildeffekte zu Gesicht, sei es nun ein Berglandschaft, die zwar nicht unbedingt Hollywoodniveau hat, aber für den Independentbereich doch recht gut gemacht wurde, oder aber einige doch recht interessante und surreale Szenen, wie zum Beispiel eine Kreuzigung. Man sollte seine Vorstellungen von Splatter also etwas zurückschrauben, sich dafür aber eher auf eine Bilderflut einstellen, die so im deutschen Independentbereich ihres gleichen sucht.

Zur DVD kann man sagen, dass sie doch recht gut ausgestattet wurde. Neben einem Making Of, bekommt der Zuschauer zudem noch eine Kurzfilmfassung vom Film präsentiert, sowie ein Musikvideo, Outtakes, einen Audiokommentar, geschnittene Szenen und einen Bericht der Premiere. Besonders das Making Of bietet sehr viel Informationen über den Film und auch über die gezeigten Alliterationen. Die DVD ist also randvoll mit informativen Bonusmaterial und für den Preis von 10,-€ sehr empfehlenswert. Auch die Bildqualität weiß zu gefallen, wobei dies bei den Brandls schon immer sehr positiv war.

Fazit: Außergewöhnlicher Independentfilm, der in Deutschland auf jeden Fall seines gleichen sucht und zeigt, dass auch Deutsche Sinn für ganz besondere Filme haben. Für Fans von surrealen Werken und Independentfilmen auf jeden Fall einen Blick wert. Für Brandlfans ein absolutes Muss!

Objektive Wertung: 7,5/10 Punkten (für die Verhältnisse)

Subjektive Wertung: 10/10 Punkten

Details