Lügen, Intrigen, Verrat - in der Welt der Geheimdienste scheint kein Platz zu sein für Werte wie Loyalität, Ehrgefühl oder Ehrlichkeit. Diese Erkenntis ist nicht neu, diese Erkenntnis reißt uns nicht vom Hocker. Und genau das trifft auch auf Ridley Scotts neuesten Streich zu, diesen temporeichen Spionage-meets-Polit-Thriller, der zunächst kraftvoll und wuchtig daherkommt, aber mit zunehmender Laufzeit ganz im Sinne seines Themas sich selbst verrät.
Zunächst einmal werden wir ins geheimdienstliche Tagesgeschäft geworfen: Der CIA-Agent Roger Ferris (Leonardo DiCaprio), perfekt des Arabischen mächtig, wird von seinem Vorgesetzten Ed Hoffman (Russell Crowe) damit betraut, einen Islamistenführer ausfindig zu machen, dessen terroristische Organisation mehrere Anschläge in Europa und Amerika plant und schon durchgeführt hat. Um Al-Saleem - so sein Name - näher zu kommen, muss er mit dem jordanischen Geheimdienst unter Leitung von Hani (Mark Strong) zusammen arbeiten, der Ferris zu bedingungsloser Ehrlichkeit und Loyalität anhält, um ein Vertrauensverhältnis zu sichern...
Bis zu diesem Zeitpunkt funktioniert Body of Lies (der Originaltitel ist viel aussagekräftiger als der deutsche Titel) als zwar irgendwie unvermittelter und singulärer, aber auch grimmiger und authentisch anmutender Ausschnitt aus dem Spionage-Tagesgeschäft. Potenzielle Zeugen und Informanten werden erschossen, bevor sie dem ideologischen Gegner in die Hände fallen, Loyalität wird zugunsten des eigenen Informations-Vorteils geopfert und man erhält durch das erwähnte Figurengeflecht einen Querschnitt zwischen drei Arten von Akteuren. Da hätten wir den scheinbar unbeteiligten Schreibtisch-Bürokraten (Hoffman), der seine Kinder von der Schule abholt, während er an der Freisprechanlage seines Handys Anweisungen gibt, die Leben und Tod bedeuten können; da wäre sein Werkzeug (Ferris), der seine Anweisungen ausführt, jedoch in eine Gewissenskrise gerät, da er Hani gegenüber nicht loyal sein kann und darf; und schließlich Hani selbst, dem moralische Werte und Ehre noch etwas bedeuten, sei es in der vorherrschenden politischen Situation noch so schwierig, daran fest zu halten. Dies regt durchaus zu tieferen Reflexionen an.
Dann schließt sich jedoch in diesem inszenatorisch wie technisch ansonsten beeindruckenden Film eine zutiefst unglaubwürdige Liebesgeschichte an, die zum bisherigen Teil des Film nicht zu passen vermag. Die Liaison zwischen Ferris und einer Krankenschwester wirkt einzig als vorhersehbarer Vorwand und notdürftige Legitimation eines unoriginellen, wenn auch spannenden Konfrontation-Finales, welches jedoch mangels Konsequenz nach vorhergehender Folterung und Manifestation der Angst vor islamistischen Terror endgültig verlogen wirkt.
Scott kann realistisch anmutende, ja beeindruckende Actionsequenzen generieren, wie er will, er kann diesen extremen Schwachpunkt seiner zwar ambitionierten, aber letztendlich durch mangelnde Aussagekraft auf gehobenen Niveau gescheiterten Romanadaption von David Ignatius nicht verhüllen. Body of Lies will Politkino sein, vergisst aber das Wesentliche: Stellung zu beziehen. So bleibt am Ende wieder das Schicksal eines Einzelnen, der aussteigen will und somit - das muss man jedoch konstatieren - immerhin die Rahmung dieses auf einen Einzelnen fokussierten Pseudo-Politkinos, welches für einen Hollywood-Blockbuster aber beeindruckend um eine realistische Darstellung der Situation im Nahen Osten - auch us-kritisch - bemüht ist (6/10).